Den 9. an 10. Dezember proposéiert de Kaleidoskop Theater zesumme mat der Gemeng Beetebuerg um 19 Auer ausgewielten Adventsgedichter bei Stollen an Glühwäin am Bicherkueb. Fir méi Informatiounen kuckt hei.

 


 

 

Unser nächstes Highlight ab dem 30.01.2020

DER RICHTER UND SEIN HENKER

Friedrich Dürrenmatt

 

Sichern Sie sich jetzt Ihre Karten: ticket@kaleidoskop.lu

 


Spieglein, Spieglein an der Wand…

 

Liebes Publikum,

blicken wir doch für die neue Spielzeit 2019/20 gemeinsam in den Spiegel – oder, wenn Sie wollen, in das Kaleidoskop?
Letzteres weist uns bei jeder Drehung ein völlig anderes Bild auf. Und der Spiegel? Es kommt auf die Betrachtung an, werden Sie sagen. Gewiss, die Betrachtung, den Lichteinfall… aber kommt es denn nicht vor allem auf den Betrachter an? Die Glassplitter im Kaleidoskop spiegeln sich, um ihr vom Zufall erwähltes Bild zu zeigen. Wirklich vom Zufall? Gibt es denn Zufall, er sei „Gotteslästerung“, meint Lessing sogar. Also glaubte er nicht an den Zufall, doch an die Betrachtung der Dinge. Handelt es sich denn nun bei den bunten Bildern des Kaleidoskop um Wirklichkeit oder Schimäre?

Von Goethe über Dürrenmatt, dem Ehepaar Fo/Rame bis zum jungen Luxemburger Olivier Garofalo ist unser neues Programm, quer durch die Epochen, bunt, wie die Rosetten des Kaleidoskop gefächert. Und vier mal werden Sie gewiss das Spieglein an der Wand entdecken … in Ihrer Betrachtung, wie der der Autoren(Innen) Regisseuren(Innen), Darteller(Innen).
Wenn der große italienische Komiker Dario Fo zusammen mit seiner Frau Franca Rame in „Nur Kinder, Küche, Kirche“ den Spiegel vorzeigt, lassen sie Frauen sich so darstellen, wie die Männer sie sehen wollten, in den 70er Jahren. Aber, Hand aufs Herz! Hören wir heute denn nicht noch Kommentare, die der damaligen Rollenaufteilung Zuspruch erweisen? Und das nicht nur bei Männern. Es mutet doch seltsam an, dass zum Beispiel vor den Europawahlen die Wähler drauf aufmerksam gemacht werden mussten, geschlechtsbezogen paritätisch zu wählen, weil immer noch weitaus mehr Männer als Frauen in den nationalen Parlamenten, sowie im Europaparlament sitzen.

Der Schweizer Friedrich Dürrenmatt griff mit einem anderen, schwärzer gefärbten, Humor zum Spiegel. In „Der Richter und sein Henker“ lässt
er den kauzigen Provinzkommissar Bärlach auf eine völlig unkonventionelle Art in einem Mordfall stöbern, dessen Aufklärung sogar die friedliche Schweiz in politische Kalamitäten zu bringen droht. Dürrenmatt versteht es die Spannung zu halten, sie bis zum Siedepunkt zu treiben, um zu einem verblüffendem Ende zu gelangen.

„Stella“ ist eines der frühesten Werke Goethes, kurz nach dem „Werther“
entstanden und genau so skandalös von seinen Zeitgenossen aufgenommen. Ein Mann zwischen zwei Frauen? Nein, nicht dazwischen, sondern in Liebesgemeinschaft, die aber die Frauen, keineswegs er selbst, der sich als Zauderer erweist, so entschieden haben. Goethe zeigt hier dem egoistisch denkendem Mann den Spiegel vor und lässt ihn dahinter, umkränzt von den herrlichsten Farben des Kaleidoskops, zwei starke Frauen erscheinen, so dass es sich bei „Stella“ nicht um ein Trauerspiel, wie lexikalisch vielmals vorgegeben, sondern durchaus um ein Lustspiel handelt.

Der 1985 geborene Olivier Garofalo hat in seinen jungen Jahren ein äußerst
reifes Stück über die Sinnfrage geschrieben. Ähnlich wie Dürrenmatt,
wählt er ein unglückliches Ereignis zum Ausgangspunkt seiner Handlung.
Ein Motorradunfall, der das Aufeinandertreffen der beiden bis dahin sich
völlig fremden und aus ganz und gar unterschiedlichen Gesellschatsmodellen entstammten Personen, erst möglich macht. In spannenden und auf den ersten Blick oftmals absurd erscheinenden
Dialogen, entwickelt sich „Warte nicht auf den Marlboro-Mann“
zu einer Spiegelvorhaltung, die den Fortgang unserer Existenzen in seit
Generationen ausgetretenen Pfaden hinterfragt und ablehnt. Die Inszenierung im Kaleidoskop ist, kurz nach der Uraufführung am Stadttheater Aalen, die Erstaufführung im Heimatland des
Autors.

Also, wagen wir zusammen die Spiegel-, wie Kaleidoskopblicke? Unser
Team freut sich sehr auf Ihren Besuch im Bettemburger Schloss.

 

Ihr Jean-Paul Maes