Totentanz


von August Strindberg

Edgar, Kommandant einer kleinen Inselfestung, ist seit über zwanzig Jahren mit Alice, einer ehemaligen Schauspielerin, verheiratet. Die Monotonie des Alltags, so wie das ständige Zusammenleben in einem abgeschiedenen Festungsturm haben die Ehe zur Hölle werden lassen. Edgar und Alice führen seit Jahren einen zermürbenden Kleinkrieg miteinander, ein Ende der Misere ist nicht abzusehen. Da trifft Kurt zu einem Besuch ein. Kurt, Alices Vetter, ist nach fünfzehnjährigem Auslandsaufenthalt zum Quarantänemeister der Insel ernannt worden. Alice enthüllt ihrem Vetter bei einem Gespräch unter vier Augen, dass sie nur noch Hass für ihren Mann empfinde. Edgar spürt, wie sich zwischen den beiden Sympathie bildet, er erregt sich und erleidet einen Schlaganfall. Aber Alice freut sich zu früh, denn Edgar stirbt nicht, sondern erholt sich rasch. Er fährt in die Stadt und lässt seine Frau mit bangen Ahnungen zurück. Als er wiederkehrt, berichtet er triumphierend, er habe die Scheidung eingereicht. Alice soll das Haus verlassen, denn demnächst werde seine neue Gattin eintreffen – Kurts geschiedene Frau. Alice ist fassungslos, denkt aber bald an Rache. Sie forciert ihre Freundschaft zu Kurt und vermag in ihm eine Leidenschaft zu entfesseln. Nun aber stellt sich heraus, dass Edgar nur geblufft hat; er war zu feige, um seine Drohung wirklich wahr zu machen. Voller Ekel verlässt Kurt das Haus, während sich das Paar wieder versöhnt.

In TOTENTANZ können die Personen nicht miteinander reden, nicht einmal kontrovers argumentieren, sondern sie reagieren hysterisch aneinander vorbei. Zwischenmenschlicher Terror wird zum Selbstzweck und lenkt erfolgreich davon ab, über sich selbst Rechenschaft ablegen zu müssen.

In Deutschland wurde der „Totentanz“ nach der Inszenierung von Max Reinhardt 1912 am Deutschen Theater in Berlin ein wichtiger Titel im Standartrepertoire der Theater. Fortsetzungen Strindbergscher Ehekrisen lassen sich bei zahlreichen Autoren des 20. und 21. Jahrhunderst finden.

August Strindberg (1849 – 1912)

Mit seinen schonungslos sezierten Figuren und seinen visionären Traumbildern, die eine neue Gestaltungsdimension auf die Bühne brachten, gilt Schwedens bedeutendster Dramatiker als radikaler Erneuerer des Dramas. In einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs und der wissenschaftlichen Neuorientierung bestand Strindbergs besondere Leistung in der Verbindung von naturalistischen, psychoanalytischen und symbolistischen Komponenten zu einem neuen, erweiterten Weltverständnis durch das Medium des Theaters.

Inszenierung : Natalie Ortner
Mit: Jean-Paul Maes, Sascha Ley, Neven Nötig, Lotti Jungblut, Anne Bredimus, Joe Jakobi

Presse

Lëtzebuerger Journal – Im Inselkäfig

Tageblatt – Harte Bandagen bis zum Schluss