Vollmondbetrachtungen


von Jean-Paul Maes

Kollege Meyer, der Sportlehrer, hat es immer schon geahnt, mit dem Deutschlehrer Wagner stimmt etwas nicht. Er stöbert ihn nächtlich auf und findet in der Tat heraus, dass dieservollmond3 sich in Frauenkleidern auf menschenleeren Plätzen aufhält. Solches hält Meyer nicht einfach für bloße Verwerfung, sondern meint die Jugend, der er ja als Lehrer verpflichtet ist, vor diesem schützen zu müssen.

Er selber wendet, wie er meint, durch seinen unerschütterlichen Disziplinzwang, den er sich mit der Trillerpfeife erzwingt, die beste Methode zur wohlgearteten Erziehung an. Wagner spricht er, nachdem er ihn im anderen Geschlecht ertappt hat, jede Befugnis zur Erziehung ab, versucht ihn, zum Wohle und Schutze der Jugend, wie er meint, bei seiner Direktorin zu denunzieren. Doch diese scheint sich nur wenig für die Vorlieben ihres Deutschlehrers zu interessieren. Sowieso ist Meyer längst der übermäßige Alkoholgenuss von Frau Direktor aufgefallen, was die natürlich zu verstecken sucht. Aber Kollege Meyer ist halt jemand, dem kaum etwas entgeht, der sich mit täglichem Einsatz um das Gedeihen junger Menschen bemüht, zum Beispiel hat er sich zum Vorsatz gemacht, die unerträgliche Fettleibigkeit seiner Artgenossen aus der Welt zu schaffen, da er in ihr ein grundsätzliches europäisches Fortpflanzungsproblem sieht. Er selber frönt ein tiefbigottes, seiner seltsamen Moralauffassung unabweichliches Dasein.

Und Frau Direktor hat Schwierigkeiten mit ihrem Sohn Andreas, der alles abgebrochen hat, sich nachts auf Parkplätzen herumtreibt und dort auf Cornelius Wagner trifft, dessen Aufmachung ihn natürlich verblüfft.

vollmond2Zwei äußerst gegensätzlich zueinanderstehnde AUSGEGRENZTE freunden sich unter dem sie betrachtendem Vollmond an, beleben jede Nacht ihre von nur wenigen akzeptierte und von ihnen selbst vor den anderen versteckte Welt. Andreas träumt davon einmal weit weg, in die Nähe eines Vukanes zu gelangen, ihn zu erforschen, bringt es bloß nicht fertig seine, mit der Trennung vom Vater nicht zurechtkommende Mutter alleine zu lassen. Cornelius möchte sich nach einer gewissen Zeitspanne in München operieren lassen, sein Geschlecht seinen inneren Gefühlen angleichen.

Es gibt mittlerweile in nahezu allen westlichen Ländern Vereinigungen von Trangendern. Auch in Luxemburg. Das Stück soll aufzeigen und den vielen im Verborgenem noch lebenden Betroffenen Mut machen, sich zu zeigen.

Jean-Paul Maes ist einer der am meisten gespielten Luxemburger Bühnenautoren, in der vergangenen Saison inszenierte Anne Simon äußerst erfolgreich „DIE LIPEZZANERNUMMER“ am TNL. Auf dem Programm des KALEIDOSKOP steht seit 2 Jahren sein „WAT D’MECKEN DENKEN“

Inszenierung: Klaus-Diether Köhler

Bühne: Ruth Groß

mit: Jean-Paul Maes (Cornelius) – Neven Nöthig (Kollege Meyer) – Irmtraut Hetz (Frau Direktor) – Timo Wagner (Andreas)

Presse

Luxemburger Wort – Was ist normal?

Tageblatt – Befreiungsschlag

Woxx – Wir leben in vielen Scheinwahrheiten