Nur Kinder, Küche, Kirche


Dario Fo / Franca Rame

(Tutta casa, letto, chiesa) deutsch von Renate Chotjewitz-Häfner

Müssen Frauen wirklich die vollkommene Mutter, Liebhaberin, Freundin sein und überdies eine erfolgreiche Karriere vorweisen können? Die Frauen in diesen so wunderbar von Dario Fo und Franca Rame beschriebenen Monologen wollen sich auf jeden Fall nicht länger von der Gesellschaft oder ihren Männern oder von sonst irgendwem benutzen lassen.

Und sie reden sich ihren Frust von der Seele – immer mit einer großen Portion Humor und Ironie.

„Kinder, Küche, Kirche“, im italienischem Original „Haus, Bett, Kirche“ ist eine stehende Wendung, die die Rolle der Frau nach konservativen Wertvorstellungen beschreibt, sie soll sich um die Erziehung der Kinder und das Erledigen der Hausarbeit unter strikter Einhaltung moralisch angesehener Prinzipien kümmern. Diese Wertvorstellungenbegannen spätestens mit der ersten Frauenbewegung Ende der 70er Jahre zu bröckeln … oder doch nicht in allen Köpfen?

Dario Fo und Franca Rame greifen genau diesen gesellschaftlichen Zusammenprall zwischen Erwartung und Realität auf und fokussieren die Perspektive der Frau, die sich in einer patriarchalen Gesellschaft unterdrückt und erniedrigt spürt, die zur reinen Gebärmaschine oder zum Lustobjekt degradiert wird. Selbstbewusst, autonom und auf amüsant-provokative Art und Weise wird keinesfalls eine rein feministische Beschimpfung betrieben, sondern ein sich durch intellektuelle Schärfe auszeichnendes groteskes Stück präsentiert, das gerade in Zeiten der Forderung nach absoluter Gleichberechtigung durch seine Radikalität und seine unabdingbare Aktualität besticht und durch seine Mischung aus Gefühl und Witz gepaart mit durchdringender Ehrlichkeit zu überzeugen weiß.

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Dario Fo gehört zu den renommiertesten Dramatikern der Neuzeit und wurde 1997 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.In Zusammenarbeit mit seiner Frau Franca Rame entstanden eine Vielzahl an Stücken, die die bestehenden Gesellschaftskonstellationen zu hinterfragen wussten.

Inszenierung

Florian Hackspiel

mit

Rosalie Maes / Friederike Majerczyk

Schloss Bettemburg

5.11.19 20h (Premiere)

6.11.19 20h

7.11.19 20h

19.11.19 20h

20.11.19 20h