Spielzeitmotto: Erklär mir Liebe


Hand aufs Herz : Wer könnte das? Die Liebe bleibt eine unerklärliche Zustandsentwerferin – und das ist gut so.

Das KALEIDOSKOP vermittelt in seinem neuen Spielplan 2015/16 eine, nein vier, unterschiedliche Liebeserklärungen.

Da betritt der gealterte Schauspieler Feuerbach in Tankred Dorsts ICH, FEUERBACH nach längerer Zeit mal wieder eine Bühne, doch lediglich zum Vorsprechen bei dem berühmten Regisseur Lettau, dessen Assistent aber nur anzutreffen ist. Wartend verfängt Feuerbach sich mehr und mehr in Preisgebungen seiner Existenz, die er im Grunde geheim halten wollte. Es bleibt ein angeschlagener Mensch, der sich in der Darstellung vieler Rollen in seiner Liebe zum Publikum, und wohl auch zu sich selbst, erheblich verausgabt hat. Nun, im letzten (erhofften) Akt seiner Karriere, wünscht er sich noch eine Liebesbekundung in Form dessen, was die Schauspieler doch so sehr brauchen, den großen Applaus.

Walter Faber aus Max Frischs HOMO FABER wähnt sich als liebeserprobter, pragmatischer Mann, von Beruf Ingenieur, der alles durch Logik erklären kann, bis ihn eine nie erwartete Begegnung aus all seinen bisher so sicher geglaubten Lebensauffassungen verjagte. Am Ende weiß er nicht in wen er sich verliebt hat… und verspürt doch die unendliche und auch unerklärliche Liebe, die ihn sein bisher gesamtes Leben begleitete.

Der Investor Hengen in Jean-Paul Maes‘ Stück DÉI ANER HALSCHENT glaubt seine gesamte Liebeswürde verloren, weil er in dieser rasanten Welt zu unaufmerksam gegen Fehler gewesen ist und sich dadurch in eine ihm ausweglos erscheinende Situation gebracht hat. Er beschließt seinem Leben ein Ende zu setzen und trifft am entlegenen Ort seines Vorhabens auf einen Stadtstreicher, der vorgibt seine andere Hälfte zu sein, die gewiss sehr von dem abweicht, was er sich als Ergänzung seiner selbst vorgestellt hat. In langen Gesprächen kommt er endlich zu dem Schluss, seine Lebenslieben durch verkehrte Blickwinkel unbemerkt im Abseits stehen gelassen zu haben.

In Arthur Schnitzlers LIEBELEI wollte der junge Leutnant Fritz eigentlich bloß eine kleine Affäre mit der reizenden, aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Christine. Aber es hat sich eine Liebe zwischen den beiden entwickelt, der Fritzens Beziehung zu einer verheirateten Frau entgegen steht, zumal ihr Gemahl davon erfuhr und Fritz zum Duell aufgefordert hat. Am verhängnisvollen Morgen wartet Christine in unerträglich gewordener Sehnsucht und vorahnender Betrübnis auf den Geliebten.

„Der Fisch errötet, überholt den Schwarm – und stürzt durch Grotten ins Korallenbett“ schreibt Ingeborg Bachmann in ihrem berühmten Gedicht „Erklär mir, Liebe“.

Liebes Publikum, wir laden Sie ein, sich eine Spielzeit hindurch mit uns auf die Suche nach einer Erklärung – einer Liebeserklärung zu begeben … an das Leben, das Theater, die Menschen und wünschen Ihnen dabei vergnügliche, besinnliche und anregende Theaterabende im Bettemburger Schloss.

Auf Ihren Besuch freut sich Ihr KALEIDOSKOP-Team.