Spielzeitmotto – Mensch, wer bist du denn?


Gibt es eine einfache Antwort auf diese Frage? Haben Sie sie sich schon einmal gestellt? Und wann, wie oft, täglich, vielleicht bereits morgens beim Aufwachen oder niemals wirklich, weil Ihr Leben seinen Lauf so ganz und gar selbstständig eingeschlagen hat? Woraus besteht dieser Selbstlauf denn … und wo landet er letztendlich? Gewiss dort, wo alle Leben einmal enden müssen, das steht eindeutig fest. Doch wie sehen die Zwischenzeiten aus?

Einen aus unbeantworteten Fragen bestehenden und weiter bohrenden Spielplan hält das Kaleidoskop also für 2017/18 bereit. Wie das Leben ja auch im Grunde mit keinen wirklichen Antworten aufwarten kann. Und spannende Fragen sind es, die die vier Autoren unserer  Neuinszenierungen stellen. Fragen, die nicht unbedingt ihrer Beantwortungen bedürfen, da die gesamte Existenz doch völlig unerklärlich, zuweilen auch unfassbar, ist. Wir sollten uns deshalb jederzeit  für überraschende und uns ausgeschlossen vorkommende Wendungen bereit halten.

 

Liebes Publikum, stocken Sie doch einmal den Atem, halten Sie inne, für Sekunden nur – fühlen und horchen Sie in sich, um anschließend die Figuren unserer Stücke in ihren das Leben zu ergründenden Fragen zu begleiten.

Betrachten Sie die vermutete Lebenssinnlosigkeit von Paul, dem seit Jahren in seinem Büro Vergessenem, dessen Existenz eines Tages durch einen Eindringling mit völlig undurchsichtigen Absichten, in eine derartige Umkehr sich wendet, dass er in absoluter Hingabe seinen „Geiselnehmer“ zunehmend zu beherrschen beginnt. In „SINGAPUR“ von Jean-Paul Maes treibt sich das Unvorgesehene in groteske Verhältnisveränderungen.

Wachen Sie mit Gregor Samsa in Franz Kafkas „DIE VERWANDLUNG“ auf und entdecken Sie plötzlich, vielleicht spontan, oder erst allmählich, einen Käfer an ihm, der doch noch nie sichtbar war und auch nach normalem menschlichem Empfinden gar nicht an Stelle des so liebenswürdigem, pflichtbewusstem, hochsympatischem und vor allem durch und durch bravem jungen Mann im Bette liegen kann. Erleben Sie dann die Reaktion seiner Umwelt, die mit fortschreitender Dauer seinen Zustand als gewöhnlich und hinnehmbar betrachtet. Ein Zustand, von dem man sich seit der Entstehung dieses Meisterwerkes der Weltliteratur, fragt, wie er zustande kommen konnte und in welche Realität er zu deuten sei.

Vielleicht möchten Sie sich aber auch an einen Tisch zu einer namenlosen fremden jungen Frau setzen um mit ihr in den Erinnerungen an vergangene, glückliche Kindertage in Astrid Kohlmeiers „WINTERSTARRE“ zu schwelgen, in steter Angst vor einer Katastrophe, die dann doch von einer großen Hoffnung abgedrängt wird.

Verlieben Sie sich in die reizende Luise Miller, oder in ihren Freund Ferdinand, vielleicht in beide, in ihre Liebe, die in Friedrich Schillers großem, wie meisterhaftem deutschen Klassiker  „KABALE UND LIEBE“ beschrieben, aber auch durch unerträgliche Intrigen ihrer Zerstörung preisgegeben wird. Der Autor legt die unfassbare Art und Weise der Mächtigen dar, denen sämtliche Mittel zur Erhaltung ihrer Macht recht sind, in Bereitschaft einen jeden hierfür zu opfern. Doch vielleicht obsiegt ja gerade in diesem großen Drama die Liebe über den Tod.

Ein spannungsgeladener Spielplan also, voller Sehnsüchte … nach … im Grunde sich selbst, seiner Existenz und deren tieferem Sinn. Eine Suche auf die wir uns eine Spielzeit lang mit Ihnen, liebes Publikum, begeben möchten.

 

Ihr Kaleidoskop-Team.